Von Horizonten & Perspektiven

„Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind.“ – aus dem Talmud

Alles subjektiv

Manchmal frage ich mich, warum wir, also zum Beispiel du und ich, aneinander vorbeireden.

Jemand Schlaues (ich weiß nicht mehr, wer) sagte mal: Es gibt keine objektiven Betrachtungsweisen, denn nur ein Subjekt, also ein Mensch, kann etwas betrachten. Somit ist jede Art der Betrachung subjektiv. Niemand von uns weiß, wie die Welt wirklich aussieht, denn jeder sieht sie nur aus seiner eigenen Perspektive, erlebt sie mit seinen eigenen Sinnen. Was auch immer du gerade vor deiner Nase hast, du kannst zu 90% davon ausgehen (ich habe keine Statistiken dazu erhoben), dass der Mensch neben dir, der auf dieselbe Sache schaut, etwas anderes sieht, empfindet oder denkt als du. Und genau das macht das Schreiben manchmal schwer.

Worte finden

Unsere Sprache ist beschränkt im Gegensatz zu den Bildern, Gedanken und Emotionen in Kopf und Herz. Eine Geschichte in Worte zu fassen, ist eine Herausforderung – Gefühle in ihrer Vielschichtigkeit zu beschreiben, ohne etwas auszulassen. Egal, wie genau ich meine Vorstellungen umschreibe, in deinem Kopf wird beim Lesen dennoch ein anderes Bild entstehen, ein abgewandeltes, weil du meine Worte mit deinen Überzeugungen und Erinnerungen verknüpfst. So können aus einem Bild in meinem Kopf tausend Bilder in deinem und anderen Köpfen werden – für ein und dasselbe Gefühl oder eine Situation, einen Charakter oder einen Ort – weil wir alle so wunderbar vielseitig sind. Weil jeder von uns seine eigene Geschichte hat, seine Betrachtungsweise und Erfahrungen.

Allein ein Wort reicht, um in fünf Köpfen fünf verschiedene Assoziationen wachzurufen.

Unser gemeinsamer Horizont

Es wird mir also zu vermutlich 90% NICHT gelingen, das Bild in meinem Kopf eins zu eins in deinen zu projezieren, etwas genauso wiederzugeben, wie ich es empfinde. Und somit ist es etwas besonderes, einem Menschen zu begegnen, der genau dieselbe Perspektive einnehmen kann. Der uns versteht, ohne dass wir viel erklären müssen. Weil sein Kopf und seine Gefühlswelt unserer so ähnlich sind, dass wir in Situationen dasselbe denken und fühlen. Vielleicht sogar, obwohl wir uns kaum kennen. Aber ich glaube ganz fest daran, dass es diese 10% mit derselben Wellenlänge für jeden von uns da draußen gibt. Auch wenn mir keine Statistken dazu vorliegen :)

Ein Gedanke zu “Von Horizonten & Perspektiven

  1. Pingback: Auf der Suche nach Balance - die Waage im Kopf | Marias Leuchtturm

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